Warum habe ich die Redboat Organisation gegründet?
Ich fing früh an mich mit dem Studium fernöstlicher Kampfkünste zu beschäftigen. Natürlich war wie ich, wie der Großteil der Jungs und Mädchen in meinem Alter daran interessiert mich verteidigen zu können.
Mit acht Jahren begann ich bei Rainer Wenzel (damals 4 Dan) in Ulm das traditionelle Karate Do zu trainieren. Die Entscheidung für diese Kampfkunst fiel mir leicht, da zu diesem Zeitpunkt asiatische Kampfkünste rar gesät waren.
Danach beschäftigte ich mich intensiv mit der Kampfkunst Ninjitsu, welche außer dem Schwertkampf auch Taijitsu, den waffenlosen Kampf vermittelt. Ich trainierte in der Sportschule Michael, die in Ulm ein recht umfassendes Angebot an verschiedenen Kampfkünsten anbot. Durch einen Trainingsfreund kam ich in den 80iger Jahren schließlich zum Ving Tsun.
In einer kleinen Gruppe unter Herrn Kaiser trainierte ich diese Kampfkunst, welche mich durch die logische, effektive und sparsam ausgeführte Bewegungsmechanik begeisterte.
Als ich an der Universität Bamberg den Fachhochschulgang Sozialwesen begann, fing ich mit dem Training von Weng Chun (damals Chi Sim Ving Tsun) unter der Leitung von Andreas Hoffmann (Großmeister Weng Chun) an.
An der Universität Bamberg unterrichtete ich mehrere Jahre erfolgreich Selbstverteidigungskurse. Desweiteren leitete ich Übungsgruppen in Würzburg, Bamberg und Neu-Ulm.
Unter A. Hoffmann trainierte ich 14 Jahre lang. Er öffnete mir die Augen für die vielseitige Welt der chinesischen Kampfkünste. Ich schloss meine Ausbildung bei ihm mit dem Sifu (chin.: Lehrer)Titel ab. Bei ihm lernte ich auch das Qigong des Shaolin Tempels kennen und schätzen. Aus diesem Grunde absolvierte ich zudem die Ausbildung zum Qigonglehrer. Verschiedene Arten des Qigong studiere ich bis heute bei Lehrern und Meistern. In meiner Schule finden fortlaufend Kurse in Chan Qigong statt, welche von Krankenkassen bezuschusst werden.
Ich übte die verschiedensten Facetten des Kung Fu. Unter anderem lernte ich von Cheng Kwong (Chi Sim Ving Tsun Großmeister / Qigong Sifu China), Chiu Chi Ling (Oberhaupt eines Hung Gar Stiles und Qigongmeister / USA), Fu Shen Lung (Oberhaupt des Fu Tai Chi / Kanada), Tang Chun Pak (Weng Chun Sifu und Enkel des berühmten GM Tang Yick Hongkong).
Auch in das brasilianische Bodenkampfsystem bekam ich Einblicke. Unter Flavio Behring, dem Weggefährten des legendären Gracie Begründers Helio Gracie und einem seiner wenigen Blackbelts Joao Vasconcellos, konnte ich das Brasilian Jiu Jitsu kennenlernen. Unter Rickson Gracies Schüler Romulus Barros lernte ich die Interpretation der Gracie Familie des Brazilian Jiujitsu kennen.
Seit 15 Jahren unterrichte ich in Neu-Ulm in eigener Schule Kung Fu, Kinder Kung Fu und Qigong. Viele meiner ehemaligen Schüler leiten heute erfolgreich eigene Schulen.
Um meine beiden großen Leidenschaften, Kampfkunst und Pädagogik, die für mich mehr und mehr logisch zusammenwuchsen, noch besser verknüpfen und verstehen zu können, absolvierte ich die 3-jährige Weiterbildung zum Budopädagogen bei Dr. Jörg Wolters am Institut für Jugend und Bildung in Gauting. Dort bekam ich viele interessante Anregungen wie mit dem Thema Kampfkunst verantwortungsvoll erzieherisch und therapeutisch umzugehen ist. (z.B. AAT AntiAggressionsTraining- Brendel)
Ich bin Gründungsmitglied des Berufsverbandes der Budopädagogen (BVBP).
Durch meine umfassenden Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen erkannte ich Chancen und Möglichkeiten durch Kampfkunstpdagogik früh positiv auf Kinder einwirken zu können. Gerade hier existiert ein immenses Potential, da traditionelle Kampfkünste den Denk- und Handlungsweisen von Kindern wichtige Impulse geben und durch gezielten Aggressionsabbau zusammen mit Wertevermittlung die Stärkung eines gesunden und ausgeglichenen Selbstbewusstseins bewirken. Dazu kommt, dass dieser Ansatz dem kindlichen Bedürfnissen entspricht. Mit dem Ansatz des KKP schuf ich eine Verbindung von Denkweise und Prinzipien des chinesischen Weng Tsun , der traditionellen chinesischen Medizin und Philosophie mit den Erkenntnissen und Methoden der modernen westlichen Pädagogik.
Aus diesem Grunde entstand 2003 die Kampfkunstpdagogik. Hier versuche ich meine Erfahrungen als Lehrer der Fachschule für Sozialpädagogik und als Kampfkunstlehrer in eine wirkungsvolle Symbiose zu bringen. Dies ist ein Prozess welcher stetig fortschreitet und nicht abgeschlossen ist.
Seit einigen Jahren gebe ich Workshops und Unterricht an Schulen, Kindergärten und Bildungsmessen (z.B.: Didacta), sowie berufliche Weiterbildungen in die Methoden der KKP.
Ich bin überzeugt, dass KKP jedem Menschen durch strikte und doch nachvollziehbare Vorgaben wertvolle Verhaltensprinzipien an die Hand gibt.
Heute ist es mir vor allem wichtig die zutiefst humanen und ethischen Werte dieser Kampfkunst zu durchdringen und meine Erkenntnisse an interessierte SchülerInnen weiterzugeben. Nicht nur der Kampf mit dem Gegenüber, sondern die tiefe Auseinandersetzung mit sich selbst prägen meines Erachtens den Weg eines Ausübenden der Kampfkünste. Es ist nicht von Bedeutung welche der zahlreichen Kampfkünste man ausübt, sondern mit welchem Geist diese Künste geübt werden. Jegliche Begegnung soll von Achtung und Respekt durchdrungen sein.
Es geht nicht darum fundamentalistisch davon überzeugt zu sein die beste aller Künste auszuüben, sondern die inneren Prinzipien der jeweiligen Kunst zu verstehen und umsetzen zu lernen. Dies setzt einen offenen, staunenden und neugierigen Geist voraus. Eine Kampfkunst ist immer so „ wie die Gesinnung desjenigen, welcher diese ausübt.
Bestätigt werden meine Bemühen und Ansichten durch Kinder, Jugendliche und Erwachsene, welche die Werte der Kunst umsetzen und unvoreingenommen in ihr Leben übernehmen. Gerade dieses tägliche Ringen meiner Schüler, das Verstehen wollen, gibt mir Inspiration auf meinem eigenen Weg. Dafür möchte ich all meinen SchülerInnen und StudentInnen herzlich danken!
Die Kampfkunst REDBOAT WENG TSUN gibt dem Übenden ein praktikables Werkzeug an die Hand um sowohl den Verstand, als auch den Körper und die Sinnlichkeit zu schärfen und zu perfektionieren. Der Transfer der Prinzipien in den Alltag gelingt nicht immer, sollte jedoch vorrangiges Ziel eines jeden Übenden sein.
Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Stöbern durch unsere Seiten.
Jörg Weidner